Kurz gefasst: Eine Zeitraffer-Kamera auf der Baustelle macht in festen Abständen Einzelbilder und setzt sie später zu einem Film über die ganze Bauzeit zusammen. Bauherren sehen damit den Fortschritt, ohne hinzufahren, Bauunternehmen haben eine datierte Bildfolge für die Abstimmung und für Rückfragen. Vor dem Aufstellen sollten Sie klären, wie die Kamera Strom und Mobilfunk bekommt, wo die Bilder gespeichert werden und wie sie ausgerichtet wird, damit keine Personen erkennbar sind. Mieten passt meist zu einem einzelnen Bauvorhaben, Kaufen eher zu Betrieben, die laufend bauen.
Dienstagabend, kurz nach sieben: Sie stehen am Bauzaun und versuchen zu erkennen, ob die Decke über dem Erdgeschoss heute betoniert wurde. Mit einer Kamera für den Zeitraffer der Baustelle sehen Sie das auf dem Handy. Nach ein paar Monaten sehen Sie auch, in welcher Woche das Dach dicht war und wann der Estrich kam. Am Ende wird aus den Einzelbildern ein kurzer Film, in dem aus einer Baugrube ein Haus wächst.
In diesem Beitrag geht es um Dokumentation, also um Bilder, die den Fortschritt zeigen. Wer vor allem Material und Maschinen vor Diebstahl schützen will, braucht andere Technik und hat andere Pflichten. Die Wege dafür beschreibt die Seite zur Sicherung der Baustelle. Wann sich beides in einem Gerät verbinden lässt, steht weiter unten.
Eine Zeitraffer-Kamera filmt nicht durchgehend. Sie nimmt in festen Abständen ein Foto auf, auf Wunsch nur während der Arbeitszeit, und legt es ab. Aus diesen Fotos entsteht später ein Film, in dem Monate in wenigen Minuten ablaufen. Weil nur Einzelbilder anfallen, ist die Datenmenge viel kleiner als bei einem Video. Deshalb funktionieren solche Kameras auch auf Baustellen ohne Internetanschluss.
Im Alltag heißen die Geräte auch Baukamera oder Baustellenkamera mit Zeitraffer. Gemeint ist meist eine wetterfeste Kamera, die für die ganze Bauzeit an einem festen Punkt hängt und ihre Bilder an eine Online-Plattform schickt. Dort sehen alle, die Zugang haben, den aktuellen Stand und können in älteren Bildern zurückblättern.
Die Kamera ist auf den Überblick ausgelegt. Sie soll zeigen, wie der Bau wächst, und nicht, wer gerade auf dem Gerüst steht. Genau an diesem Unterschied setzen auch die Regeln zum Datenschutz an.
Private Bauherren
Wer ein Haus baut und nicht in der Nähe wohnt, fährt oft nach Feierabend noch zur Baustelle. Mit der Kamera sehen Sie auf dem Handy, ob an einem Tag gearbeitet wurde, ob die Fenster geliefert sind und wie weit der Rohbau steht. Den Termin mit der Bauleitung ersetzt das nicht. Ihre Fragen für diesen Termin werden aber genauer, weil Sie wissen, was sich seit dem letzten Mal getan hat.
Und wenn das Haus steht, haben Sie den ganzen Bau in einem Film, vom Aushub bis zum Dach.
Bauunternehmen, Projektentwickler und Architekten
Für Betriebe zählt, dass sich der Ablauf später nachvollziehen lässt. Eine lückenlose Bildfolge mit Datum zeigt, wann ein Gewerk auf der Baustelle war, wann geliefert wurde und wann ein Abschnitt fertig war. Das hilft bei der Abstimmung zwischen den Gewerken. Es hilft auch bei Rückfragen, die erst Monate später kommen: Stand das Gerüst schon, als der Starkregen kam? War die Abdichtung fertig, bevor die Baugrube verfüllt wurde?
Für Architekten, die die Objektüberwachung übernehmen, nennt die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) in der Leistungsphase 8 die „Dokumentation des Bauablaufs (zum Beispiel Bautagebuch)“ als Grundleistung. Eine Bildfolge kann ein solches Bautagebuch ergänzen. Was an einem Tag besprochen, entschieden oder beanstandet wurde, zeigt sie nicht.
Projektentwickler können den fertigen Film in Präsentationen, auf der eigenen Website oder für Käufer und Mieter nutzen, die den Bau verfolgen wollen. Wer das vorhat, sollte es schon bei der Ausrichtung der Kamera bedenken, denn veröffentlichte Bilder kann jeder abrufen und speichern. Für Betriebe mit mehreren Baustellen oder festen Standorten gibt es einen Überblick, welche Technik infrage kommt, auf der Seite zur Sicherheitstechnik für Gewerbe.
Strom: Baustromverteiler oder Solarmodul
Steht auf der Baustelle ein Baustromverteiler, kann die Kamera dort angeschlossen werden. Klären Sie, ob dieser Anschluss für die ganze Bauzeit am selben Platz bleibt und auch nachts und am Wochenende Strom liefert. Sonst entstehen Lücken, die erst beim Schnitt des Films auffallen.
Wo kein Strom liegt, gibt es Kameras mit Solarmodul und Akku. Das ist bequem, hat aber eine Grenze, die man im Juni leicht übersieht: Im Dezember sind die Tage kurz und der Himmel oft grau. Fragen Sie, wie die Kamera bei wenig Sonne arbeitet, ob sie dann seltener Bilder macht und wie Sie erfahren, dass der Akku nachlässt.
Mobilfunk: den Empfang vorher prüfen
Ohne Kabelanschluss schickt die Kamera ihre Bilder über das Mobilfunknetz. Wie gut der Empfang an Ihrer Baustelle ist, können Sie vorab selbst nachsehen. Die Bundesnetzagentur zeigt im Gigabit-Grundbuch eine Karte zur Mobilfunkversorgung, auch getrennt nach Netzbetreiber und Technik, als Prognose für den Außenbereich. Eine Messung vor Ort ersetzt das nicht, aber Sie sehen schnell, welches Netz an Ihrer Adresse überhaupt infrage kommt. Wichtig ist außerdem, ob die Kamera Bilder zwischenspeichert, wenn die Verbindung abreißt, und sie nachschickt, sobald das Netz wieder da ist.
Montageort: einer, der bis zum Schluss bleibt
Für einen guten Zeitraffer der Baustelle braucht die Kamera einen erhöhten Punkt mit freiem Blick über das ganze Baufeld. Ein Gerüst liegt nahe, wird aber vor dem Ende abgebaut. Der Kran zieht ebenfalls ab, bevor das Gebäude fertig ist. Dann springt die Perspektive, oder der Schluss fehlt. Besser ist ein eigener Mast oder ein Platz am Nachbarhaus, den Sie vorher mit den Eigentümern absprechen. Prüfen Sie den Blickwinkel auch für das Ende der Bauzeit: Das Gebäude wird höher, und die Kamera sollte es dann noch ganz erfassen.
Schickt die Kamera ihre Bilder über Mobilfunk, liegen sie auf einer Online-Plattform des Anbieters. Über die Bauzeit kommt dort eine große Menge zusammen. Klären Sie deshalb vor dem Auftrag:
- wer Zugang bekommt und ob Sie Zugänge selbst vergeben und wieder entziehen können
- wo die Bilder gespeichert werden und wer beim Anbieter sie sehen kann
- wie lange die Bilder nach Bauende verfügbar bleiben
- ob Sie am Ende alle Einzelbilder in voller Auflösung bekommen oder nur den fertigen Film
- wer den Film schneidet und ob das im Preis enthalten ist
- ob Sie Bilder und Film frei verwenden dürfen, etwa auf der eigenen Website
Der letzte Punkt wirkt wie Kleingedrucktes. Für Projektentwickler, die den Film zeigen wollen, ist er der wichtigste. Lassen Sie sich die Nutzungsrechte deshalb schriftlich bestätigen.
Auf einer Baustelle arbeiten Menschen, und am Bauzaun gehen Menschen vorbei. Eine Kamera, die über Monate Bilder macht, muss so eingerichtet sein, dass daraus keine Beobachtung dieser Menschen wird. Die allgemeinen Regeln für Kameras am eigenen Grundstück stehen im Beitrag zur Videoüberwachung am eigenen Haus. Für Kameras, die einen Baufortschritt dokumentieren, gibt es eine eigene Einordnung.
Was die Datenschutzbehörden zu Baukameras sagen
Die Datenschutzkonferenz, das gemeinsame Gremium der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden von Bund und Ländern, hat eine Orientierungshilfe zur Videoüberwachung durch nicht-öffentliche Stellen veröffentlicht (Stand: 17. Juli 2020). Darin geht es ausdrücklich auch um Übersichtskameras, die den Fortschritt einer Baustelle dokumentieren. Die wichtigsten Punkte:
- Einzelpersonen dürfen nicht erkennbar abgebildet werden. Personen und Fahrzeuge sollen nur schemenhaft zu sehen sein.
- Umliegende Wohnhäuser und Geschäfte sollen nicht erfasst werden.
- Erreichen lässt sich das über die Position der Kamera, eine fehlende Zoomfunktion und eine niedrige Bildauflösung.
- Ein Livestream ist in der Regel nicht erforderlich. Besser sind Einzelbilder, die in passenden Abständen aktualisiert werden.
Lässt sich ein Bereich nicht aus dem Bild nehmen, etwa ein Stück Gehweg am Rand, sieht die Orientierungshilfe vor, ihn dauerhaft auszublenden, zu schwärzen oder zu verpixeln. Manche Anbieter verpixeln Personen und Kennzeichen automatisch. Dann lohnt die Nachfrage, ob das vor dem Speichern geschieht oder erst danach.
Eine niedrige Auflösung klingt erst einmal nach dem Gegenteil eines scharfen Films. Oft löst sich das über den Abstand: Eine Kamera, die von weit oben über das ganze Baufeld blickt, zeigt den Bau deutlich und Menschen nur als kleine Figuren.
Beschäftigte und Nachunternehmer
Für Beschäftigte ist die Orientierungshilfe klar: Zur Kontrolle von Verhalten oder Leistung ist eine Videoüberwachung unzulässig. Eine Baukamera darf also nicht dazu dienen, festzuhalten, wer wann Pause gemacht hat oder wie schnell eine Kolonne vorankommt.
Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, ist er nach der Orientierungshilfe vor der Einführung und Anwendung einer Videoüberwachung zu beteiligen (§ 87 Absatz 1 Nr. 6 Betriebsverfassungsgesetz). Ob das auch für eine reine Übersichtskamera gilt, auf der niemand zu erkennen ist, wird im Einzelfall unterschiedlich beurteilt. Binden Sie den Betriebsrat im Zweifel früh ein. Was gegenüber den eigenen Leuten in Filiale und Lager gilt, steht im Beitrag Gewerbe absichern.
Auf einer Baustelle arbeiten oft mehrere Firmen. Sagen Sie allen, dass eine Kamera hängt, was sie aufnimmt und wofür, zum Beispiel in der Baustellenordnung und bei der Einweisung.
Die Orientierungshilfe ist kein Gesetz. Sie zeigt, wie die Aufsichtsbehörden die Regeln auslegen, und Einzelfälle werden unterschiedlich beurteilt.
Beide Wege führen zu Bildern vom Bau. Der Unterschied liegt darin, wer sich um die Technik kümmert und was nach dem Projekt mit ihr passiert.
Mieten passt zu einem einzelnen Bauvorhaben, etwa für private Bauherren oder einen Projektentwickler mit einem Objekt. In Mietangeboten können Kamera, Montage, Datenübertragung und Plattform in einem Betrag zusammengefasst sein, und bei einem Defekt tauscht je nach Angebot der Anbieter das Gerät. Nach Bauende wird die Kamera abgebaut, Sie müssen nichts lagern.
Kaufen kann sich lohnen, wenn ein Betrieb laufend baut und die Kamera von Baustelle zu Baustelle mitnimmt. Dann braucht es jemanden im Haus, der bei jedem Projekt Montage, Ausrichtung, SIM-Karte, Plattform und die Einstellungen zum Datenschutz übernimmt. Gerade die Einstellungen müssen an jedem Standort neu geprüft werden, weil jede Baustelle andere Nachbarn und andere Wege am Zaun hat.
Feste Preise nennen wir hier bewusst nicht. Was eine Kamera für den Zeitraffer auf der Baustelle kostet, hängt an der Dauer des Projekts, an der Stromversorgung, an Auflösung und Bildfolge, an der Plattform und daran, ob der Schnitt des Films enthalten ist. Vergleichen lassen sich Angebote erst, wenn sie dieselben Leistungen beschreiben.
Manche Baukameras können mehr als Zeitraffer, und der Gedanke liegt nahe: Tagsüber dokumentiert die Kamera den Bau, nachts passt sie auf. Technisch ist das machbar. Die Anforderungen sind aber verschieden. Für den Zeitraffer braucht es einen ruhigen Überblick bei Tageslicht, von weit oben, ohne erkennbare Personen. Für die Sicherung braucht es Bilder, die auch nachts etwas zeigen, eine Erkennung von Bewegung und vor allem jemanden, der auf einen Alarm reagiert.
Auch beim Datenschutz ändert sich etwas. Nach der Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz gilt eine Übersichtskamera, die zusätzlich vor Einbruch, Diebstahl oder Vandalismus schützen soll, als gewöhnliche Videoüberwachung, mit allen Pflichten, die dazugehören, etwa einem Hinweisschild vor dem überwachten Bereich. Eine Übertragung der Bilder in Echtzeit ins Internet soll dann unterbleiben. Für Aufnahmen aus einer Videoüberwachung hält die Orientierungshilfe eine Speicherdauer von 72 Stunden in der Regel für zulässig. Ein Zeitraffer sammelt dagegen über die ganze Bauzeit.
Wer beides in einem Gerät verbindet, sollte deshalb festlegen, welche Bilder wofür entstehen und wie lange sie jeweils gespeichert werden. Die Orientierungshilfe verlangt, den Zweck vor dem Einschalten für jede Kamera festzulegen und schriftlich zu dokumentieren.
Steht der Schutz vor Diebstahl im Vordergrund, etwa weil Maschinen und Material über Nacht auf der Baustelle bleiben, ist eine eigene Lösung für die Sicherung meist die klarere Wahl. Welche Wege es dafür gibt, vom gemieteten Kameraturm bis zum Wachdienst, steht auf der oben verlinkten Seite zur Sicherung der Baustelle.
Geben Sie allen Anbietern dieselben Angaben: Art und Größe des Bauvorhabens, geplante Bauzeit, ob Strom vor Ort ist, wo die Kamera hängen könnte und wofür Sie die Bilder verwenden wollen. Beim Lesen der Angebote helfen diese Punkte:
Mit diesen Angaben bekommen Sie Angebote, die sich nebeneinanderlegen lassen. Und wenn die Kamera hängt, schauen Sie sich nach der ersten Woche die Bilder genau an. Sind Gesichter zu erkennen oder ragt der Gehweg ins Bild, lässt sich das jetzt noch mit einem Handgriff ändern und nicht erst nach einem halben Jahr Aufnahmen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Wie Ihre Kamera ausgerichtet sein muss und ob der Betriebsrat zu beteiligen ist, hängt vom Einzelfall ab. Lassen Sie das im Zweifel anwaltlich prüfen.